kessel.tv: The greatest Kackbratze in the entire Internet

Nur kurz zwei Takte zum Internet-Manifest: da hat Stefan Niggemeier sehr gut beschrieben, was die Motivation dafür war (ist als “Beipackzettel” auf der Manifestseite verlinkt). Ich fand die Kritik zum guten Teil sogar konstruktiv, und ich bin sicher, dass da noch was kommt. Manche Mühlen mahlen sehr, sehr langsam, viel langsamer, als man glaubt. Das ist auch ein Grund, weshalb ich häufig Dinge sage oder schreibe, die für “uns Internet-Menschen” vollkommen selbstverständlich sind – für viele andere, vom Politiker bis zum Unternehmenslenker sind sie nicht nur nicht selbstverständlich, sondern oft unbekannt. Das wurde ja auch oben in den Kommentaren vermutet. “Deutungshoheit”, mag sein, aber ich empfinde wie die anderen Unterzeichner auch eine gewisse Verantwortung für die “Szene” (hihi) – eben weil uns bestimmte Leute zuhören, die niemals in ein Weblog sehen würden oder Google für den schlimmsten Feind halten. Die Gefahr, dass man für banal oder platt hält, was ich von mir gebe, die gehe ich gern ein, wenn dafür die Chance auf mehr Verständnis besteht. Womit wir beim anderen Thema sind, dem beschimpfen.

Ich empfinde “im Internet publiziert” nicht als “hinter meinem Rücken” ;) – das nur nebenbei. Es ist für mich aussagekräftig und interessant, aber nicht unbedingt persönlich wichtig, was Menschen über mich sagen, die mich nicht persönlich kennen. Ich glaube sogar, dass – wenn man auf die ein oder andere Art die Öffentlichkeit sucht – man sich in Zukunft damit zurechtfinden wird müssen, von irgendwem beschimpft zu werden, sogar auch anonym. Die Alternative, nämlich den Verlust der Möglichkeit, anonym zu publizieren oder auf jeden Quatsch per Anwalt zu antworten, erscheint mir als grauenvoll und letztlich netzzerstörend.

“Kackbratze” zählt übrigens trotz des Superlativ nur zum Mittelfeld der Beschimpfungen. Anders als kreative Beleidigungen hat das Wort einiges Potenzial, auf den Urheber zurückzufallen.

Cathrin, was Deine emotionale Nutzung des Internet angeht – das ist natürlich ebenso in Ordnung wie die meisten anderen Sicht- und Herangehensweisen. Die theoretische und abstrakte Beschäftigung mit dem Medium (zugegeben, nicht unbedingt die Überhöhung) erscheint mir aber absolut essenziell, wenn man das Internet weiter voranbringen möchte. Ich versuche es jedenfalls, auf eine Art. Dass die mit Aufmerksamkeit, auf dem Schlamm hauen, teilweisem Übertreiben und einer komischen Frisur zu tun hat, ist nicht nach jedermanns Geschmack, aber ich mag Kontroversität lieber als Konsens.

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