Andrian Kreye: Ironie und Haltung

Welche detaillierte Tirade?
Und wieso „vollkommen ironiefreie Abbildung“?

marga1919.blogspot.com: Marga: Wir erklären Dir das Internet

Das Internet ist eine Religion, die nichts weiter von ihren Mitgliedern verlangt, als Teil davon zu sein. Es durchdringt unser Leben in wirklich allen Bereichen und gibt uns das Gefühl, dazuzugehören – egal, was wir sind.

Geschickt arbeitet diese Religion mit einer Mischung aus Identifikation, Projektion und Funktion, sie unterscheidet nicht zwischen Beruf und Privatleben, sie lockt und straft und setzt so durch, dass man sich nach ihren Regeln verhält und sie stellt gleichzeitig Gegenmittel gegen Verlockung und Bestrafung bereit. Alles ist möglich innerhalb und mit dem Internet, ausser sich von ihm abzuwenden. Denn wie bei jeder Religion geht es dem Internet um unsere Seele.

Das Internet ist das grösste, umfassendste und mächtigste Mem, das je vom Menschen geschaffen wurde. Es hat unsere Köpfe, unsere Hände und unsere Herzen besetzt und wir werden alles tun, um es gegen andere Religionen und Systeme und Denkweisen zu verteiden; wir werden jede Schlacht für das Internet schlagen und auch gewinnen, denn das Internet ist allmächtig, unser Wille ist sein Wille und wird sich durchsetzen.

kessel.tv: The greatest Kackbratze in the entire Internet

Lieber Thorsten, bei aller berechtigten Kritik – das Wort “Blog” kommt im Internet-Manifest nicht ein einziges Mal vor. Es ging uns um Journalismus und nicht um Blogs ganz allgemein.

kessel.tv: The greatest Kackbratze in the entire Internet

Nur kurz zwei Takte zum Internet-Manifest: da hat Stefan Niggemeier sehr gut beschrieben, was die Motivation dafür war (ist als “Beipackzettel” auf der Manifestseite verlinkt). Ich fand die Kritik zum guten Teil sogar konstruktiv, und ich bin sicher, dass da noch was kommt. Manche Mühlen mahlen sehr, sehr langsam, viel langsamer, als man glaubt. Das ist auch ein Grund, weshalb ich häufig Dinge sage oder schreibe, die für “uns Internet-Menschen” vollkommen selbstverständlich sind – für viele andere, vom Politiker bis zum Unternehmenslenker sind sie nicht nur nicht selbstverständlich, sondern oft unbekannt. Das wurde ja auch oben in den Kommentaren vermutet. “Deutungshoheit”, mag sein, aber ich empfinde wie die anderen Unterzeichner auch eine gewisse Verantwortung für die “Szene” (hihi) – eben weil uns bestimmte Leute zuhören, die niemals in ein Weblog sehen würden oder Google für den schlimmsten Feind halten. Die Gefahr, dass man für banal oder platt hält, was ich von mir gebe, die gehe ich gern ein, wenn dafür die Chance auf mehr Verständnis besteht. Womit wir beim anderen Thema sind, dem beschimpfen.

Ich empfinde “im Internet publiziert” nicht als “hinter meinem Rücken” ;) – das nur nebenbei. Es ist für mich aussagekräftig und interessant, aber nicht unbedingt persönlich wichtig, was Menschen über mich sagen, die mich nicht persönlich kennen. Ich glaube sogar, dass – wenn man auf die ein oder andere Art die Öffentlichkeit sucht – man sich in Zukunft damit zurechtfinden wird müssen, von irgendwem beschimpft zu werden, sogar auch anonym. Die Alternative, nämlich den Verlust der Möglichkeit, anonym zu publizieren oder auf jeden Quatsch per Anwalt zu antworten, erscheint mir als grauenvoll und letztlich netzzerstörend.

“Kackbratze” zählt übrigens trotz des Superlativ nur zum Mittelfeld der Beschimpfungen. Anders als kreative Beleidigungen hat das Wort einiges Potenzial, auf den Urheber zurückzufallen.

Cathrin, was Deine emotionale Nutzung des Internet angeht – das ist natürlich ebenso in Ordnung wie die meisten anderen Sicht- und Herangehensweisen. Die theoretische und abstrakte Beschäftigung mit dem Medium (zugegeben, nicht unbedingt die Überhöhung) erscheint mir aber absolut essenziell, wenn man das Internet weiter voranbringen möchte. Ich versuche es jedenfalls, auf eine Art. Dass die mit Aufmerksamkeit, auf dem Schlamm hauen, teilweisem Übertreiben und einer komischen Frisur zu tun hat, ist nicht nach jedermanns Geschmack, aber ich mag Kontroversität lieber als Konsens.

kessel.tv: The greatest Kackbratze in the entire Internet

Nein, ist es nicht. Ich wollte eher so als kommentierende Bestätigung zeigen, dass ich den Artikel und die Kommentare zur Kenntnis genommen habe. Die Verlinkung (und die Existenz) des Kommentarlogs hat auch damit zu tun, dass es ein paar superwitzige Superwitzbolde gibt, die unter meinem Namen im Netz kommentieren. Nur wenn ein Kommentar auch im Kommentarlog auftaucht, ist er auch von mir. Aber ich schweife ab. Es mangelt mir ja an vielem, aber nicht an Menschen, die mehr oder weniger lautstark und/oder differenziert ihr Meinung kundtun. Trotzdem sind Einblicke in die Gefühls- und Seelenlage von verschiedenen Gruppen interessant, wenn sie die eigene Person betreffen. Auch, weil ich natürlich ein Freund der Erfoschung von Wirkung und Ursache in der Kommunikation bin – in diesem Fall: welche Kommunikate haben dazu geführt, dass Menschen so über mich denken, bzw. fühlen? Waren es welche von mir oder von anderen? Und sowas halt.

All das wollte ich mit “Aha.” ausdrücken. Hätte ich vielleicht noch etwas ausführen sollen.

kessel.tv: The greatest Kackbratze in the entire Internet

Aha.

daslebenistmeinponyhof: Künstlermotivation, Verwertungsmodelle und eine Frage an @SaschaLobo ohne #piraten+

1. Ich mache ein Buch, wenn einen ausreichend hohen Vorschuss dafür bekomme. Vorfinanzierung von Kulturprodukten (nämlich das Geld, was man braucht, um sich zum Beispiel 5 Monate zum schreiben zurückziehen zu können) ist ein wichtiges und noch zu selten besprochenes Thema. Nicht nur für mich.

2. In, sagen wir, längeren Verhandlungen habe ich 2007 den Heyne Verlag dazu bringen können, unser Riesenmaschine-Buch nicht nur in den Buchhandel zu bringen, sondern auch gleichzeitig als kostenlosen Download anzubieten. Das Buch ist über 20.000 mal als pdf heruntergeladen worden, aber sehr, sehr viel weniger oft verkauft worden. Es ist ja so, dass ich durchaus auch ausprobiere, wie Alternativen aussehen könnten.

3. Die Vertriebsstruktur für Bücher in Deutschland ist starr, starr, superstarr. 90% der Bücher werden im stationären Buchhandel verkauft, nur ca. 10% online (als Größenordnung, gibt viele verschiedene Zahlen). Wenn eine elektronische Vertriebsstruktur kommt, die den Namen verdient und vor allem die Masse erreicht, die auch Bücher kauft, dann werde ich definitiv mitmachen.

4. Selbst, wenn ich einen solchen Weg einschlagen könnte, weil ich die Bekanntheit aufgebaut habe und die digitalen Wege kenne sowie über die Mittel verfüge, sie auch zu nutzen – das würde nicht prototypisch für Autoren gelten. Die können schreiben (die meisten) und sonst nicht so ungeheuer viel mehr. Ich kenne glänzende Autoren, die sind nicht in der Lage, alleine Pfandflaschen zurückzubringen, wie sollen die digitale Vertriebsstrukturen und Marketingkampagnen beherrschen. Ihre Bücher möchte ich trotzdem lesen.

5. Ich bin übrigens sehr gespannt auf die nächste Generation des Kindle und finde es aus genau den Gründen, die ich hier beschrieben habe, enorm schade, dass er jetzt erstmal nicht in Deutschland eingeführt wird.

Ich sehe schon, ich werde nicht drum herum kommen, mal eine eigene Kulturfinanzierungs-Alternative zu skizzieren. Vielleicht schaffe ich das ja noch im Juli.

ennomane.de: Die Piratenpartei vs. Sascha Lobo

Vielen Dank ersteinmal für den Artikel, der im Ton das ist, was ich mir von der gesamten Piratenpartei wünschen würde. Auf die Kritik, die ich bisher geäussert habe, wurde eher beleidigt-kindergartig reagiert, besonders nach dem 3sat-Kulturzeit-Beitrag vor einigen Wochen und zwar leider auch von in der Piratenpartei maßgeblichen Leuten. Wenn dieser Gegenwind von Euch nicht ertragen wird, dann wird es sehr, sehr schwer für Euch in der Politik und den Medien.

Jetzt zum Inhalt.

Wenn ich mir das Programm der Piratenpartei ansehe, also den Kern der Partei, dann fallen mir zum Thema Urheberrecht/Verwertung zwei Passagen auf, die ich zitieren möchte:

“Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen. Die Rückführung von Werken in den öffentlichen Raum ist daher nicht nur berechtigt, sondern im Sinne der Nachhaltigkeit der menschlichen Schöpfungsfähigkeiten von essentieller Wichtigkeit.”

“Positive Effekte der von uns geforderten Änderungen sollen im vollen Umfang genutzt werden können. Mögliche, aber nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen müssen bei deren Auftreten nach Möglichkeit abgemindert werden.”

Diese Passagen empfinden die meisten, die von der Verwertung ihrer Werke leben möchten, als Hohn. “.. nicht zu erwartende negative Nebenwirkungen”? Ist das Euer Ernst? Sind Euch die nicht völlig unberechtigten Sorgen der Musiker, der Schriftsteller, der Filmemacher völlig egal? Selbst, wenn sie zu einem Teil aus einer gewissen Uninformiertheit entstanden sind?

Auch, wenn ich aus dem Parteiprogramm heraus in die Bereiche hinschaue, die explizit NICHT offizielle Aussagen der Piratenpartei sind ( http://wiki.piratenpartei.de/Kategorie:K%C3%BCnstlerverg%C3%BCtung ), und deshalb von mir auch nicht als massgeblich bewertet werden können – dann finde ich dort Modelle wie die “Alternative Künstlerverwertung”, die im Prinzip auf freiwilligen Spenden beruht. Spenden als Geschäftsmodell empfinde nicht nur ich als unwürdige Bettelei. Mit dem Vorschlag GEMA 2.0 sieht es nicht besser aus, denn ich kenne kein Topf-System, das ausreichend gut funktioniert, damit nicht die Erben von Michael Jackson eine neunte Villa kaufen, sondern die Band aus Berlin-Neukölln davon ihre Miete zahlen können. Das sind für mich nicht die Konzepte, denen ich die Zukunft der Kulturfinanzierung anvertrauen will. Ebensowenig übrigens wie eine Kulturflatrate, bzw. die dafür im Gespräch befindlichen Modelle.

Dass mit der Musik- und Content-Industrie sehr, sehr viel im Argen ist, ist keine Frage. Das Urheberrecht und die angeschlossenen Verwertungsmechanismen müssen, wie ich öfter betont habe, dringend und grundlegend reformiert werden, damit dieser Komplex im 21. Jahrhundert und der Digitalen Gesellschaft ankommt. Aber dass ich als Künstler, zum Beispiel als Musiker, mein Werk direkt verkaufen kann – daran führt für mich kein Weg vorbei. Diesem Ziel steht übrigens niemand im Moment mehr im Weg als die Musikindustrie selbst.

Nur wenn ich mit einzelnen Mitgliedern der Piratenpartei gesprochen habe, dann hat sich der Eindruck verstärkt, der im Parteiprogramm alles andere als widerlegt wird und in den Diskussionen im Netz auch nicht: Das Produkt, das Künstler schaffen, wird nicht als kaufbares Produkt anerkannt. Stattdessen versucht man, auf Krampf Methoden zu finden, wie kostenloses Downloaden irgendwie über Bande doch den Künstlern Geld bringen könnte. Das halte ich für falsch. So wird die Piratenpartei niemals eine breite Mehrheit der Kulturschaffenden überzeugen können.

Das Argument, dass im Moment der Künstler in den meisten Fällen sowieso halb enteignet wird (stimmt) und selten davon leben kann (stimmt leider auch), ist für mich ein Grund, mit dem Netz Modelle zu finden, bei denen das nicht so ist. Ich halte das für möglich. Sonst kommen etwa die Musiker vom Regen (Musikindustrie) in die Traufe (Abschaffung der direkten Verwertungsmöglichkeiten).

Ich glaube nämlich, dass die Mehrheit der Nichtpiraten, die sich im Netz auskennt, bereit ist, direkt Geld zu bezahlen für Kulturprodukte. Nur gibt es da bisher nicht unbedingt glanzvolle Modelle, von iTunes mal abgesehen, gegen das es viele andere Gründe gibt. Einer ist, dass es nicht leicht ist, dort einfach selbst Musikstücke einzustellen.

Dass die Piratenpartei eine Diskussion in Gang gebracht hat, halte ich für gut. In einigen Punkten stimme ich mir ihr überein, von der Haltung her. Über den zukünftigen Erfolg der Piratenpartei kann ich wenig sagen, halte es aber nicht für ausgeschlossen, dass daraus eine ernsthafte Partei wird. Ist sie aber noch nicht (und mit dem Namen wird es nochmal extraschwer mit Sternchen).

Denn in den meisten Punkten, die für mich wichtig sind, sagt die Piratenpartei exakt nichts. Es gibt ein Leben ausserhalb des Netzes. Dazu höre ich nicht nur wenig, im Programm steht dazu fast nichts – und ich glaube auch, dass die Piratenpartei es kaum schaffen würde, da eine gemeinsame Position zu erarbeiten. Ich würde keine Partei wählen wollen, bei der ich nicht bzw. kaum weiss, wie sie zu Fragen von Atomkraft, Bundeswehr, Hartz4, Arbeitsmarktpolitik, Frauenrechte, Familienpolitik, EU und so weiter und so fort steht. Ganz schön hohe Anforderungen für eine kleine Partei? Sorry, ja. Meine Ansprüche an Parteien generell sind hoch, immerhin regieren uns Parteien. Da ist keine Entschuldigung, dass man erst zwei Jahre alt ist. Die Ansprüche sind ein Grund, weshalb ich die Erklärung des Online-Beirats der SPD (ich bin übrigens kein Mitglied und war es auch nie) mitentworfen und unterzeichnet habe. Was jetzt nicht nur Freunde innerhalb der SPD gebracht hat.

Ein Wort noch zu mir: ich bin selbständig, unabhängig und stehe auf keiner Gehaltsliste. Im Gegenteil lebe ich in erster Linie von Beratung (derzeit übrigens null Verlage), in zweiter Linie von Vorträgen und Projekten, in dritter Linie von Büchern. Die Sachen, die ich sage, sage ich, weil ich diese Meinung vertrete und dafür Gründe der Überzeugung habe.

Abschliessend ein kleiner Tipp: Kritiker persönlich bzw. beleidigend anzugreifen, lässt in erster Linie den Angreifer unsouverän erscheinen. Und das sage ich, obwohl ich ab und zu ganz gern beleidigt werde.

Webevangelisten.de: Deutsche Top 100

Dann kann man ja für die Zwischenzeit von “aktiven deutschsprachigen Twitterern” sprechen. Das würde nämlich ziemlich genau treffen, denke ich.

webevangelisten.de: Deutsche Top 100

Ich freue mich natürlich und alles – aber eine Sollbruchstelle gibt es doch. Ich weiss von vielen Bekannten, die einen Account nur passiv nutzen, also read only. Ich glaube, dass 80-90% meiner Follower deutschsprachig sind. Vielleicht mehr. Sie twittern nur nicht alle.
Das würde auch Spiegel_Eils schlechte Quote erklären, denn schaut man sich die Follower dieses Accounts an, dann hat etwa die Hälfte noch nicht einmal ein Profilbild. Will sagen: die melden sich an und vergessen den Accoount wieder, ohne je getwittert zu haben. Deutschsprachig sind sie aber schon. Glaube ich.

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