Go to Rio: „Grill Royal“, Berlin: Treffpunkt der medialen Dienstleistungs-Masochisten

Im letzten halben Jahr war ich ungefähr fünf Mal im Grill Royal, kann also eine gewisse Erfahrung in die Beurteilung einbringen. Es ist wahr, dass in der Servicelandschaft eine gewisse Neigung zur Qualitätsvolatilität herrscht. Aber es ist ja auch sehr schwer, heute gutes Personal usw. usf. Insofern ist das Grill Royal in der Tat nichts für Menschen, die nicht wissen, dass in Service in Berlin generell anders verstanden wird. Die erste Pflicht von „Ersten Läden“ – und das glauben viele Läden von sich – ist es, dem Kunden eben diese Eigenschaft zu vermitteln. Ist das Personal zu freundlich, zweifelt man schnell daran, dass man es WIRKLICH mit einem Premiumladen zu tun hat, nach dem Motto „Wie, die müssen freundlich sein? Läuft der Laden nicht gut?“.

Das aber nur nebenbei, denn für mich ist der wichtigste Punkt das Fleisch – und das war super, jedes einzelne Mal. Besseres und besser zubereitetes habe ich bis jetzt nur in Argentinien selbst gegessen. An Beilagen kann ich mich nie länger als einen Tag lang erinnern, wenn sie nicht widerwärtig geschmeckt haben, haben sie also nicht, bisher. Klein sind die Portionen ebenfalls nicht, die Creme Brulee gestern war suppentellergross und -tief. Nicht mal Herr Schwenzel hat sich über die Grösse des Nachtischs beschwert, das tut er sonst immer.

Die Prominentensituation ist borchardtesque, ausser gestern, da gab es eine rätselhafte vollständige Abwesenheit von galarelevanten Personen. Wurde eventuell irgendwo anders zeitgleich die Eröffnung einer Thunfischdose gefeiert?

Für Berliner Verhältnisse ist der Laden übrigens teuer, ziemlich teuer, sehr teuer, überteuer. Teuer, teuer, teuer, aber ich zahle ab und zu sehr gern 36 Euro für ein Steak, gibt es mir doch die Möglichkeit, mich kurz wohlhabend zu fühlen.

Eine Anekdote zum Schluss: Als ich vor vier Wochen mit einem Freund dorthinkam und nicht reserviert hatte, wurde uns gesagt, dass leider kein Tisch für zwei mehr frei sei. Ich fragte eher aus Scherz „Sicher nicht? Dabei habe ich beim letzten Mal ein bizarr grosses Trinkgeld gegeben.“ Kurzes Augenrollen, dann wurden wir zu einem freien Tisch geführt.

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